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27.04.2009 Janina Seyler
Der eingefleischte fränkische Radsportler kennt sie alle: die berühmt-berüchtigten Frühjahrsstraßenrennen im mittelfränkischen Cadolzburg und unterfränkischen Karbach. Zahlreiche Nachwuchs- und auch Profisportler haben sich oft schon an Strecke, Wetter, eigener sportlicher Form und den ach so hohen Ambitionen die Zähne ausgebissen. Nicht so einmal wieder die Würzburger Nachwüchse der Rennrad Jugend.
Knapp einen Monat später im Kalenderjahr fand am vergangenen Samstag das große Straßenrennen der Rennradfahrer in Cadolzburg statt. Diese Terminverschiebung auf Ende April hatte in diesem Jahr Vor- als auch Nachteile: einerseits war den Rennsportlern ein Wettbewerb bei herrlichstem Frühlingswetter vergönnt. In den letzten Jahren herrschten Ende März noch teils eisige Temperaturen und die Wetterbandbreite lieferte alles, was Winter und Frühling hergeben konnten. Andererseits war Cadolzburg für die Jugendklasse U17 ein Wertungsrennen der bayerischen U17-Rennserie das nächste folgte gleich tags darauf in Karbach und dieses war obendrein noch eine bundesoffene Sichtung der Landesverbände vergleichbar mit der Bundesligaserie der U19!
So hingen die eigenen Ziele der RSGler hoch. Durch Austauschabwesenheiten, Konfirmation, Praktikum gingen am Samstag lediglich die zwei RSG-U17 Andreas Hartmann und Dominic Schulz an den Start. Für Schulz das nun zweite Rennen, das vom Profil gesehen dem Sportler entgegenkam. Für Hartmann der Start im errungenen gelben Trikot er war bis dato der Punktführende in der Bayernwertung der Jugend U17 und er wollte viel. Die ersten drei der vier Runden wurden relativ „gemütlich“ gefahren: kompaktes Feld, wenig Aktivität, jeder wollte sich für das Finale schonen, beide Würzburger gut dabei. Dann aber ging es mit der Glocke zur letzten Runde im Rennen der Jugend zur Sache. Hartmann und Sportkollege Wälzlein aus Herpersdorf initiierten eine Flucht und fuhren schnell einen kleinen Vorsprung heraus. Leider aber wirkte sich das zu Beginn verhaltene Tempo des Jugendfeldes nun aus die Spitze des parallel laufenden Rennens der U23 lief von hinten auf die Jugend auf. Ergo: die U17 wurde auf der Strecke angehalten, ließ das Feld der U23 passieren und setzte dann seine Fahrt fort. Hartmann und Wälzlein wieder mit Luft nach vorne und Volldampf. Leider aber konnte Wälzlein das Tempo des Würzburgers nicht mitgehen, das Feld flog mit „Lückenschließern“ heran, der Fluchtversuch wurde gestellt und so ging die Fahrt gemeinsam weiter. Über den Sieg in Cadolzburg sollte ein Bergsprint entscheiden, bei dem die ersten vier Plätze bereits vergeben waren, als Andreas Hartmann als fünfter (Anmerkung: Ergebnis top, der Sportler selbst (noch) nicht ganz zufrieden) und knapp dahinter Dominic Schulz als toller neunter (!) über die Ziellinie rollten. Ebenso eng ging es auch bei den Punkten für die Bayernsichtung zu: um einen einzigen Punkt musste Hartmann sein Trikot wieder an Sportfreund Wälzlein abgeben, von dem er es in Zusmarshausen übernommen hatte.
So war der erste der beiden hochwertigen Renntage gut überstanden. Devise für den Abend: duschen, essen, schlafen.
Mit ebenso herrlichem Radwetter, voll besetzter Strecke und hochklassigem Sport glänzte der Sonntag beim Rennen im unweit entfernten Karbach. Weniger glänzen konnte wie auch anders gedacht der Karbacher Untergrundbelag: der berüchtigte Anstieg aus dem Ort hinaus noch immer mit Wellen, Schlaglöchern, Betonkanten … und dann noch die Konkurrenz!
Nicht beeindrucken ließen sich die Würzburger und so war der „persönliche Erfolg“ doch allemal garantiert, auch wenn das Ergebnis nach dem Rennen noch optimiert werden kann.
Saisonauftakt für die U15-Schülerin der RSG Sabrina Schulz: erstes Rennen, Erfahrung sammeln, Beine fit machen, mehr Chancen beim nächsten Rennen.
Bewährungsprobe für U15er Till Hellmund: schweres Rennen, große und starke Konkurrenz, Feld gehalten, am Ende 36.
Intensivkilometer sammeln für U19er Hannes Rapp: die Form auf der Ebene passt, die Form am Berg kommt langsam … und eine gewisse Abgeklärtheit auch. Mit guter Radlaune und Vorfreude auf die kommenden Kriterien („ …Straßenrennen sin’ nix …!“).
Dann die Bundesssichtung der Jugend U17. Hartmann als Mitglied des Bayernkaders war gesetzt, Dominic Schulz konnte mithilfe einer organisierten „wild-card“ des Veranstalters ebenso an den Start gehen und einmal „höher-geweihte“ Rennluft in einem riesigen (knapp 200 Starter!) Fahrerfeld schnuppern. Die ersten Runden hielt er sich wacker und fiel erst dann zurück, als vorne richtig „gedampft“ wurde. Leider ließ man ihn wie auch einige andere zähe Kollegen nicht ganz zu Ende fahren: die U11 wollte auch noch auf die Strecke; so machte man dicht und die Sportler bekamen etwas früher (wenn auch ungewollt) Feierabend. Alles andere als Feierabend vorne im Rennen beim Würzburger Hartmann. Angesichts einer vierköpfigen Ausreißergruppe, wenig Nachführarbeit im Feld, Überholvorgängen während des Rennens (die Jugend passierte die Frauen, die „etwas zu sehr bummelten“) und Kraftsparmaßnahmen für das Finale konnte Hartmann zwar nicht viel ausrichten, fuhr aber sehr aufmerksam in guter Position. Die Wertungspunkte (sowohl bundesweit als auch für die Bayernsichtung) aber wollte er dann doch nicht ganz den vielen anderen überlassen. Knapp 5000 Meter vor dem Ziel packte ihn die Ambition und zusammen mit einem Konkurrenten wagte er die Flucht nach vorn. Die „Chefin“ Seyler als Kampfrichterin im Führungsfahrzeug nebst Vereinkollege Hannes Rapp als Fahrgast traute ihren Augen kaum, als nach den vier Mann Spitze, deren zwei Verfolgern Hartmann und Konkurrent mit erheblich Vorsprung auf das Feld nach Karbach abbogen: im „schlimmsten“ Fall würde es ein achter Platz bundesweit! Und es wurde der achte Platz. Bester Bayer dazu (zweiter Bayer dann der starke Fahrer Yannik Achterberg auf Platz 16) und das gelbe Trikot des Punkteführenden der Bayernwertung erkämpfte sich Andreas Hartmann mit nun sieben Punkten Vorsprung auf Jan Wälzlein auch wieder.
Fazit am Abend: Strahlende Gesichter, wohin man blickte: Landesverbandstrainer, Organisator, Sportkollegen, Trainerin, Familie … und der Sportler selbst natürlich auch! So was nennt man „Oberwasser“. ;-)
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